Das Wasser
Kalifornien war in den letzten Jahren oft wegen der herrschenden Wasserknappheit in den hiesigen Schlagzeilen. Ein Riesenaufschrei! Seht nun mal hin, diese Amis!  Die Kalifornier hatten aber bereits in der Vergangenheit Zeitspannen durchlebt, in denen das Wasser knapp war und sich umgehend diesem Problem angenommen und die nötigen Massnahmen ergriffen. Es wurden riesige Reservoirs und künstliche Seen angelegt, und ein ausgeklügeltes Kanal- und Leitungssystem garantiert eine funktionierende Verteilung. Nur muss zuerst natürlich Wasser vorhanden sein, bevor etwas verteilt werden kann.


Die Jahre 2012 bis 2015 waren einerseits überdurchschnittlich warm und leider auch sehr regenarm. In den Bergen fiel sehr sehr wenig Schnee und so konnten die Reservoirs und die künstlichen Seen nicht aufgefüllt werden. Das Schmelzwasser stellt fast 40 % des jährlichen kalifornischen Wasserverbrauchs. Im Frühjahr 2016 hat es ausgiebig geregnet und die angespannte Lage entschärft sich leicht. Auch ist 2016 wieder Schnee gefallen, was wirklich bitter nötig war und so die Reservoirs wieder gefüllt werden konnten.


Als erstes wurden bei den einseitig beleuchteten Berichterstattungen über die Dürre in Kalifornien die Landwirtschaft an den Pranger gestellt. Logisch, jemand musste ja schuld sein.
Die grossen Landwirtschaftsbetriebe im Central Valley benötigen für ihre Produktion von Nahrungsmitteln sehr viel Wasser, sie versorgen aber auch 60 % der US-Amerikaner mit Obst, Nüssen, Salat und Gemüse.


Vor allem auf den Mandelbaum hatte sich die berichterstattende Zunft eingeschossen.
Der Mandelbaum, von denen Hundertausende im Central Valley stehen, sind durstige Gesellen und da die Mandeln begehrt waren, wurde laufend neu angepflanzt. Kalifornien versorgt fast allein den gesamten amerikanischen Markt und zudem vier Fünftel vom Rest der Welt mit diesen Nüssen. Das Marktvolumen für Mandeln hat sich binnen zehn Jahren vervierfacht, die Anbaufläche hat sich in der Dekade verdoppelt. Selbst die drei Dürrejahre haben den Ausbau nicht gebremst. Zu den Investoren gehören New Yorker Fondsgesellschaften, die sich Renditen versprechen und die globalen Absatzchancen frühzeitig gewittert haben. Mandeln sind in. Sie fügen sich gut in aktuelle Diättrends von Paleo über glutenfrei zu kohlehydratarm ein.
Mandeln kommen nicht nur als Snack oder als Backzutat auf den Markt, sondern auch als Butter- oder Mandelmilch. Doch noch grösser als im Inland ist der Erfolg der kalifornischen Mandeln im Ausland. 70 Prozent der Ernte gehen in die Welt hinaus und landen beispielsweise auch bei uns in der Schweiz.


Aufgrund der Dürre und Wasserknappheit mussten aber zigtausende dieser ausgetrockneten Mandelbäume gerodet werden. Forscher bringen die Verschärfung der Dürreprobleme im Westen der USA mit dem menschengemachten Klimawandel und den daraus resultierenden wärmeren Temperaturen in Verbindung. Längere Dürreperioden gab es schon in der Vergangenheit, aber die steigenden Temperaturen verschlimmern nun die Auswirkungen der Trockenheit, wir sprechen von 'heissen Dürren'", erklärt James Vose vom US-Forest Service.
Wir wollen die angespannte Wasser Situation in Kalifornien keinesfalls beschönigen, wir denken aber, dass der kalifornische Staat dieses Problem vertieft angeht und Lösungen finden wird. Eins ist klar, der Wasserverbrauch muss reduziert werden und da gibt es auch in Kalifornien genug Möglichkeiten, ohne dass der gewohnte Lebensstandard grossartig beeinträchtigt würde, nur wollen sollte man einmal! Aber dieses aktive Wegschauen kennen wir ja hierzulande auch! Wir Menschen dürfen mit Mutter Natur leben, die Natur muss aber mit uns leben. Deutlicher? Gerne: die Natur braucht uns nicht – wir sie aber schon, und wie! Passen wir also auf sie auf!

Auf lange Sicht wird Kalifornien also nicht nur den Verbrauch, sondern auch die Verteilung der vorhandenen Wassermengen streng regulieren müssen. Viele Farmer kritisieren ausserdem Umweltgesetze, die verhindern, dass Wasser aus dem sehr wasserreichen Norden Kaliforniens, wo Unmengen von Wasser ungenutzt den Pazifik erreichen, in den Süden geleitet werden könnte. Oder sie hadern mit dem Gesetz, das verbietet, Wasser aus den geschützten Flüssen für ihre durstigen Tiere zu entnehmen. Experten halten Verbesserungen an der Infrastruktur für überfällig.