General Johann August Sutter

Der Heimatort Sutters war Rünenberg (Basel-Landschaft). Seine Vorfahren waren wohlhabende Besitzer von badischen und elsässischen Papierfabriken und Druckereien.

Sutter machte eine kaufmännische Lehre in der Thurneysen’schen Druckerei und Verlagsbuchhandlung in Basel und kam um 1824 nach Burgdorf im Kanton Bern, wo er ein eigenes Tuchwarengeschäft betrieb. Am 24. Oktober 1826 heiratete er in Burgdorf Annette Dübold. Ihr erster Sohn, Johann August, kam einen Tag später zur Welt. Vier weitere Kinder, drei Jungen und ein Mädchen, folgten.

Als der Konkurs seiner Firma Johann August Sutter & Co drohte, und Sutter zudem nach einem Betrug an der Firma seines Vaters von den Schweizer Behörden gesucht wurde, hat er die Schweiz verlassen, wobei er seine Frau und die Kinder in der Schweiz zurückliess und der öffentlichen Fürsorge überliess. Er wanderte im Mai 1834 über Frankreich und die USA, mit einem Abstecher nach Hawaii, in das seit 1821 mexikanische Kalifornien aus. Die Familie folgte ihm erst 16 Jahre später.

Am Zusammenfluss des Sacramento- und des American-River erhielt er durch den mexikanischen Gouverneur von Kalifornien, Juan Bautista Alvarado, vom Staate Mexiko Bodenrechte auf rund 20'000 ha fruchtbares Land. Um an dieses Land zu kommen, war er kurzerhand mexikanischer Bürger und Hauptmann in dessen Armee geworden

Seit 1839 kolonisierte Sutter im Sacramento-Tal ein Gebiet einer immensen Grösse.

Neu Helvetien, wie er es nannte, sollte landwirtschaftlich genutzt werden. Im Namen der mexikanischen Obrigkeit vertrieb er die ortsansässigen Indianer und legte 1841 die Befestigung Sutters Fort an. Gleichfalls 1841 erweiterte er seinen Besitz durch den Kauf der russischen Kolonien Fort Ross sowie der Bodega Bay. Zudem gründete er die Stadt Sacramento als Verwaltungssitz.

Mit Hilfe seiner zahlreichen «Angestellten» und Darlehen baute Sutter ein Handels- und Landwirtschafts-Imperium auf. Neben rund 20'000 Stück Vieh und Plantagen gehörten bald einmal auch Wasser- und Sägemühlen, Brennereien, eine Gerberei und zahlreiche Häuser zu seinem Reich. Der Neuanfang in Kalifornien brachte dem gefallenen Kaufmann schon zu Lebzeiten Ruhm ein. Die Helden-Erzählung von General Sutter bekommen jetzt aber durch die neuen Recherchen von Rachel Huber grosse Risse.

In kalifornischen Archiven ist die Schweizer Historikerin Rachel Huber auf Quellen gestossen, die die Geschichte nun umschreiben. Sie hat ihre Erkenntnisse in der schweizerischen Zeitschrift für Geschichte publiziert.
 
Der selbsternannte General band indigene Männer und Frauen in ein Zwangsarbeitssystem ein und handelte zur Tilgung seiner Schulden mit indigenen Kindern. Wichtiger Kronzeuge für Sutters Taten, die schon damals als unmoralisch galten, wie Huber festhält, ist sein Schweizer Zeitgenosse Heinrich Lienhard, der vier Jahre lang für Sutter arbeitete. Das handschriftliche Manuskript seiner Memoiren liegt in der Universität Berkeley. Lienhard war unter anderem als Aufseher für die Mahlzeitenvergabe und das nächtliche Einsperren der Arbeiterschaft zuständig. «Die Art, wie diese indianischen Arbeiter gefüttert wurden, mahnte mich an das Füttern einer Anzahl Schweine», schrieb er.

Bis zu eintausend Indigene hielt Sutter unter erbärmlichsten Bedingungen. Durch historische Quellen belegt ist zudem auch, dass Sutter eine Armee aus indigenen Kindern und Männern hielt, die auf ihre eigenen Leute schiessen sollte, wenn diese zu flüchten versuchten. Mit dieser Armee überfiel der selbsternannte General auch wiederholt indigene Dörfer und nahm Männer, Frauen und Kinder gefangen.
Die indigenen Kinder, die er auf seinen bewaffneten Bestrafungsmissionen raubte, dienten ihm als Handelsware, welche die agrarwirtschaftliche Ineffizienz von Neu-Helvetien kompensierte.

Die Kinder verkaufte Sutter weiter, um seine Schulden zu tilgen. Er habe sich sogar richtiggehend auf dieses Geschäft spezialisiert, so Historikerin Huber. Es sei sogar existenziell gewesen, weil seine Farm nicht genug erwirtschaftete, um seine Gläubiger zu bezahlen.
Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo, der den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg beendete, fiel beinahe das ganze Gebiet von Sutter an den Bundesstaat Kalifornien (vormals Oberkalifornien) und damit «Neu Helvetien» 1848 an die USA.

Beim Bau eines Sägewerkes für Sutter entdeckte in den Wintermonaten 1848 James W. Marshall Gold. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile! Im darauf folgenden Goldrausch brachen Recht und Ordnung in dem Gebiet vollständig zusammen, der gewaltige Ansturm der Goldgräber ruinierte Sutters Imperium. Seine eigenen Mitarbeiter verliessen ihre Arbeitsstelle, um ebenfalls nach dem kostbaren Gold zu suchen. Seine Ländereien wurden von Goldgräbern, ohne zu fragen in Beschlag genommen, um nach Gold zu graben. Sutter konnte noch einige seiner Besitztümer verkaufen, bevor er sich dann auf seine Ranch zurückzog.
Er verlor alles und verarmte völlig. Ihm gelang zwar vor Gericht die Durchsetzung eines Rechtsanspruches auf Schadenersatz, zu dessen tatsächlicher Erfüllung kam es aber nie. Er verstarb völlig verarmt in einem Hotelzimmer am 18. Juni 1880 in Washington DC, einen Tag bevor die Regierung seine Forderungen und sein Anliegen auf Schadenersatz nochmals prüfen wollte.