Ernesto und Julio Gallo

Die Brüder Ernest (1909-2007) und Julio Gallo (1910-1993) waren die Söhne italienischer Einwanderer aus dem Piemont

In den 1920er Jahren kauften ihre Eltern eine Farm in der Nähe von Modesto im San Joaquin Valley und begannen mit dem Weinanbau, wie es ihre Nachbarn auch taten. Privater Rebbau war während der Prohibition erlaubt; per Eisenbahn wurden die Trauben in den Osten der USA transportiert. Die Bestimmungsbahnhöfe an der Ostküste von Boston über North und South Carolina, von Pittsburgh bis Cleveland und Buffalo waren zu dieser Zeit von den Gangstern kontrolliert, die auf jede Ware einen kleinen Sicherheitszoll verlangten. Mit 17 Jahren begleitete Ernest Gallo ihre Traubentransporte, um den Verkauf zu sichern.

Auf Grund von Verschuldung kam es zu einer Tragödie, Guiseppe richtete 1933 zuerst seine Frau und dann sich selbst. Die zwei Söhne übernahmen die Farm und gründeten die E. & J. Gallo Winery. Julio war der Kellermeister und Ernest kümmerte sich um den Verkauf. Die erste Kellerei wurde am Platz der heutigen riesigen Fabrik in Modesto errichtet. Anfangs wurde Fasswein produziert und dieser an Abfüller verkauft.

Erst ab dem Jahre 1937 wurden Weine unter eigenem Label erzeugt und 1940 die ersten eigenen Rebstöcke angepflanzt. Zusätzlich wurden Trauben gekauft. Die Erfolgsgeschichte begann im Jahre 1957 mit dem aus weissem Portwein und Zitronensaft vermischten und auf 20% Alkoholgehalt gespritteten „Thunderbird“. Die Zielgruppe, die dieses Zeugs schluckten, waren die eher ärmeren Konsumenten. Ein Viertelliter kostete damals 60 Cents. Gallo machte dafür aggressive Werbung, für solche ist die Fima heute noch bekannt. Allein 1957 wurden vom «Thunderbird» 32 Millionen Gallonen verkauft. Das sind umgerechnet 116 Millionen Liter - Fusel? Dieser «Wein» wird noch heute produziert. Weitere erfolgreiche Produkte waren der Perlwein «Ripple» und der «Boone’s Farm Apple Wine» (Apfelwein).

Im Jahre 1964 wurde die Produktion von Billigweinen in riesigen Mengen gestartet. Dies waren vor allem die Marken „Hearty Burgundy“ und „Chablis Blanc“. Das war damals eine weit verbreitete Gepflogenheit in der Neuen Welt, Weine nach prominenten europäischen Gebieten zu benennen. Der Name Gallo wurde zum Synonym für billige Massenweine einfachen Zuschnitts. Ab 1977 erfolgte dann eine Änderung in der Philosophie. Statt der uniformierten Markenweine, wurde nun das Hauptaugenmerk auf sortenreine Weine gelegt.  Ab Mitte der 1980er Jahre wurden zudem riesige Flächen Rebland im Sonoma County in den AVA-Bereichen Alexander Valley, Dry Creek Valley und Russian River Valley gekauft und das neue Unternehmen „Gallo Sonoma“ gegründet.

Dort trat Gallo den Beweis an, aus ausgesuchten Einzellagen auch Spitzenweine produzieren zu können. Das Image von Gallo wurde dadurch nachhaltig verbessert. Durch den Kauf von insgesamt sechs Weingütern vergrösserte sich der Besitz enorm. Darunter war zum Beispiel 2002 die Louis M. Martini Winery, die ebenfalls italienische Wurzeln hatte. Der Weinbergbesitz im Sonoma County umfasst rund 2.000 Hektar Rebfläche. Die Kellerei im Dry Creek Valley produziert rund 300.000 Hektoliter Wein jährlich. Das ist aber nur ein Bruchteil der Gesamtproduktion. Für das Sonoma-Projekt sind nun Julios Enkel Gina und Matthew Gallo verantwortlich.

Die Weinberge umfassen insgesamt 3.600 Hektar Rebfläche. Allein der Versuchs-Weinberg, wo neue Rebsorten sowie neue Bewirtschaftungs-Methoden erprobt werden, ist über 40 Hektar gross. Zusätzlich werden auch noch in grossen Mengen Weintrauben zugekauft. Jährlich werden rund 60 Millionen Kisten Wein und mehr produziert, das sind doch immerhin 720 Millionen Flaschen! Jede vierte in den Vereinigten Staaten gefüllte Weinflasche stammt aus dem Hause Gallo. Es ist das weltweit grösste Weingut in Familienbesitz und zählt in der Weinproduktion weltweit zu den Top Fünf. Die Produkte werden in 90 Länder verkauft. Im großen Umfang werden auch andere Getränke wie Coolers, Obstweine, Schaumweine und Spirituosen erzeugt.

Zusätzlich zur Marke Gallo oder Gallo Sonoma werden Weine unter zahlreichen Namen vermarktet. Das sind unter anderem Anapamu, Barefoot, Bartles & James, Bella Sera, Black Swan, Carlo Rossi, Ecco Domani, Frei Brothers, Indigo Hills, Livingstone Cellars, Louis M. Martini, Mirassou Vineyards, MacMurray Ranch, Napa Valley Vineyards, Night Train Express, Red Bicyclette, Sebeka, Thunderbird, Tott’s André, Turning Leaf, Twin Valley und Rancho Zabaco. Es gibt eine eigene Glasfabrik für Weinflaschen. Der Stammbetrieb in Modesto ähnelt eher einer hochtechnischen Fabrik als einer Weinkellerei.

Julio Gallo kam im Jahre 1993 bei einem Autounfall auf dem Werksgelände ums Leben, er war bis zu seinem Tod hauptverantwortlich für den Keller gewesen. Sein Bruder Ernest starb im Jahre 2007 im achtundneunzigsten Lebensjahr, auch er hatte noch bis zu seinem Tode regen Anteil am Geschäft genommen. Das gewaltig grosse Wein Unternehmen ist immer noch in Privatbesitz und wird heute von Mitgliedern der zweiten und dritten Generation geführt. Insgesamt sind rund ein Dutzend Familienmitglieder im Riesen-Unternehmen tätig. Der Slogan auf der Gallo-Website lautet „Drei Generationen - eine Leidenschaft“. Die Verkaufs- und Marketing-Abteilung gilt als mustergültiges Vorbild und die meisten US-Spitzenkräfte im Weinhandel haben zumindest einmal kurz dort gearbeitet.