VHR Vine Hill Ranch

Die Geschichte des Weinanbaus auf der Ranch reicht bis in die 1860er Jahre zurück. Bruce hat eine Reihe von wichtigen Dokumenten, die sich auf das Anwesen beziehen, darunter ein Dokument aus dem Jahr 1885, das von Morgan Whitton, dem einstigen Besitzer des Anwesens, mit Bleistift ausgefüllt wurde. Eine Notiz sticht bei der Durchsicht dieses besonderen Dokuments ins Auge - mit Bleistift hat Mr. Whitton oben auf dem Papier einfach "12 Acres, gute Weinberge" geschrieben!

Die Wurzeln der Vine Hill Ranch begannen im westlichen Marin County, wo der Architekt und Rancher Bruce Kelham eine mehrere tausend Hektar grosse Ranch besass. Nachdem er seinen Besitz im Zuge der Bemühungen der Regierung, das heutige Point Reyes National Küstenschutzgebiet zu schaffen, verkauft hatte, begann Bruce, sich das Napa Valley wegen der dort vorhandenen landwirtschaftlichen Vielfalt anzusehen und zog zwei Standorte in Betracht - einen in der Talsohle in Rutherford und einen in Oakville. Letztendlich verliebte er sich in die Mayacamas-Berge und das abwechslungsreiche Terrain, wo diese Berge in den Talboden übergehen. Er kaufte an dieser Stelle im Jahre 1959 über 400 ha Land. Heute umfasst das Anwesen über 160 ha in der südwestlichen Ecke der Appellation Oakville. Ungefähr 28 ha sind mit Weinreben bepflanzt, der Rest ist zerklüftet, steil und bewaldet.

In den 1950er Jahren war die Landschaft des Napa Valley deutlich anders als heute - damals war es eine vielfältige Agrarlandschaft. Auf der eigenen Ranch wurde Heu angebaut (auf den Benchland-Böden), während Walnüsse eine der Hauptkulturen vor Ort waren - mit Walnussbäumen, die noch bis in die frühen 1980er Jahre hinein produzierten. Die Rebsorten waren nicht die gleichen wie heute - zu dieser Zeit waren die Weinberge mit Chenin Blanc, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinot Noir bepflanzt. Es war eine Zeit, in der Chardonnay sogar einen höheren Preis pro Tonne erzielte als Cabernet Sauvignon. Der Cabernet Sauvignon war aber immer ein fester Bestandteil des VHR Rebberges.

Bruce ist stolz darauf, Teil einer langen Reihe unabhängiger Rebbauern zu sein, die im letzten Jahrhundert in Oakville Landwirtschaft betrieben haben. Im Jahr 1978 zogen seine Eltern, Alexandra und Robert (Bob) Phillips, ins Napa Valley, um ihre Familie auf der Ranch grosszuziehen, die ihr Grossvater, Bruce Kelham, zwanzig Jahre zuvor gekauft hatte.

Im Laufe der Zeit bauten Bob und Alexandra einen nun sehr renommierten Cabernet Sauvignon Weinberg an, der aussergewöhnliche Trauben für eine Reihe von namhaften Napa Valley Weingüter produzierte. Sie engagierten sich auch für die Erhaltung von freiem Land und für Gemeindeorganisationen, darunter auch das Farm Bureau und die Napa Valley Grapegrowers (NVG), eine Vereinigung, die bei der Definition der Appellationsstruktur des Tals und dem Schutz seiner reichen landwirtschaftlichen Ressourcen eine zentrale Rolle spielte.

Bruce erinnert sich daran, wie er 1998 mit seinem Vater durch den Weinberg ging und ihm folgende Frage stellte: "Wie viel von der Qualität und den Eigenschaften des Weins hängen mit unserer besonderen Lage zusammen und wie viel mit den Talenten des Winzers"? Diese Frage konnte Bruce damals nicht unbedingt beantworten - da jedoch eine Reihe von Winzern Trauben von ihrem Grundstück bezogen, entwickelten sie bald eine innovative Verkostung, die helfen sollte, diese Frage zu beantworten.

Die Weine aus ihrem Weinberg, die von verschiedenen Weingütern gekeltert wurden, stellte man auf Tische in den verschiedenen Rebberg Blöcken, aus denen sie stammten. Diese sehr einzigartige Verkostung machte ihnen die dramatischen Unterschiede im Terroir und dessen Auswirkung auf die Weine bewusst. Ein "Weinberg-Werkzeugkasten", wie Bruce es nennt.

Die Trauben aus den unteren Lagen ergeben meist Weine mit helleren Fruchtaromen und weicheren Tanninen, die Trauben aus den oberen Lagen bringen eher erdige, würzige Weine mit grosser Tanninstruktur hervor.

Der Fokus von Bruces Vater Bob lag immer auf dem Anbau von Trauben und nicht auf der Produktion von Weinen aus dem Anwesen. Bruce wurde jedoch von dieser Verkostung inspiriert und präsentierte der Familie schliesslich im Jahr 2000 die Idee, eigene Weine zu produzieren. Bruce hat enorm darum gerungen, dieses Projekt des eigenen Weines bei seinen Eltern durchzubringen. Erst als er Françoise Peschon als Weinmacherin gewinnen konnte, willigten sie ein.

Seit dem Jahr 2008 produziert die VHR nun ihren eigenen Wein. Vom Erstlingsjahrgang wurden gerade einmal 300 Kisten abgefüllt. Im Laufe der Jahre konnte die Produktion erhöht werden und liegt nun so um die 10'000 Flaschen jährlich. Der VHR Rebberg wird ohne Bewässerungsanlage bewirtschaftet und sehr sorgfältig geführt. Sie haben eine Null-Virus-Toleranz - wenn eine Rebe Symptome eines Virus zeigt, wird diese entfernt und dann mit einer jungen neugepflanzten Rebe, ersetzt.
 
Im Jahr 2011 wurden wir mit dem Napa Valley Grower of the Year Award geehrt, dem ersten, der an eine Familie und nicht an eine Einzelperson verliehen wurde, wusste Bruce zu berichten. Auch führte er aus «Wir fühlen uns zutiefst geehrt, weil unsere Eltern uns den Wert des Zuhörens, des Lernens und der Pflege von Land und Gemeinschaft gelehrt haben - und weil sie in uns das Herz eines Weinbauern kultiviert haben. Die Liebe von Bob und Alexandra, unserer Eltern zur Vine Hill Ranch wird nun von unserer, der dritten Generation geteilt".

Der grösste Teil der VHR Ernte wird aber nach wie vor an andere ambitionierte Weingüter verkauft. So besteht zum Beispiel der Vecina Wein der Bond Winery aus 100 % VHR Trauben. Der VHR Rebberg ist in 7 Blöcke unterteilt. Jedes Jahr werden für den eigenen, also den VHR Cabernet Sauvignon, Trauben aus den sieben Blöcken geerntet, separat gekeltert und in neuen französischen Fässern, die jeweils auf die Trauben der verschiedenen Blöcke abgestimmt sind, ausgebaut. Der finale Blend wird aber dann jeweils durch die präzise Fassauswahl getroffen. Die alten Aufzeichnungen der Winzer inspirierte uns für unser Weinetikett, meinte Bruce.

Die Etiketten eines jeden VHR Cabernet Sauvignon Jahrgangs ist verschieden, um mehrere wichtige Faktoren des Weins aufzuzeigen. Alle sieben Blöcke sind aufgelistet, aber bei den Blöcken aus denen die Trauben, die im jeweiligen Jahr für den VHR Wein stammen, wurden kleine Löcher ausgestanzt. Ebenso ist auf dem Etikett die Anzahl der Rebstöcke in jedem Block sowie das Erntedatum und die Ertragsmenge aufgezeichnet.  Es sei eine Hommage an die landwirtschaftliche Geschichte der Vine Hill Ranch meinte Bruce.

Trotz einer langen Geschichte im Tal und den wertvollen Beiträgen zur jetzigen Weinwirtschaft, welche die Familie Phillips aus landwirtschaftlicher Sicht geleistet haben, neigen ihre Weine dazu, unter dem Radar zu bleiben - und wir vermuten, dass dies Absicht ist und auch zur Persönlichkeit der Familie passt - die es vorzieht, mehr im Hintergrund zu bleiben und einfach ihr bemerkenswertes Terroir im Rebberg für sich selbst sprechen zu lassen.