Detert Winery

Ach, das ist wieder so eine Geschichte, die verfilmt werden könnte. Alles begann mit der Auswanderung eines gewissen Wilhelm Ferdinand Detert, der am 2. Februar 1850 in Horn/Lippe geboren wurde
 

W.F. Detert war das 7. Kind des Kaufmanns und Finanzverwalters der Stadt Horn Ernst Wilhelm Arnold Detert. Bei seiner Geburt starb seine Mutter, die eine Tochter des Bielefelder Kaufmanns Philipp Moritz Lüdeking war. Sechs Monate danach heiratete sein Vater die Schwester seiner ersten Frau, so dass W.F. Detert, im Kreise seiner Geschwister in dem alten Geschäftshaus am Markt unbeschwerte Kinderjahre verleben konnte. Danach trat er – wie das in der Familie üblich war – eine kaufmännische Lehre an. Sein Lehrmeister war der Hoflieferant Koch in Detmold. Schon während der Lehrzeit reifte in ihm der Entschluss heran, sobald wie möglich nach Amerika auszuwandern. Zwar fiel es der Familie im Jahre 1866 sehr schwer, das Geld für die weite Schiffsreise nach New York aufzubringen, da der Vater kurz vorher gestorben war, aber dank gemeinsamer Anstrengungen gelang es und W.F. Detert kam glücklich in Amerika an.
Hier stürzte er sich mit ganzer Kraft in die Arbeit um schnell vorwärts zu kommen. New York hielt ihn nicht lange.

 

Wilhelm Ferdinand Detert (1850 – 1929)
Wilhelm Ferdinand Detert (1850 – 1929)

Er wanderte im Land umher, um Wilhelm Ferdinand Detert (1850 – 1929) eine günstige Gelegenheit für einen schnellen Aufstieg zu finden. „Meine Heimat ist da, wo ich meinen Hut hinhänge“, schrieb der Dreissigjährige in dieser Zeit einmal an seine Schwester. Ihn lockte das Goldland Kalifornien. Der Anfang dort war für ihn nicht sehr verheissungsvoll. Zwar bildete er sich schnell zu einem tüchtigen Bergwerksingenieur aus, aber seine geschäftlichen Unternehmungen waren wenig erfolgreich. So setzte er zu Beispiel einmal bei einer Spekulation innerhalb weniger Monate 8000 Dollar in den Sand. Aber niemals verlor er den Glauben an sein Glück, denn – so schrieb er 1879 an seine Schwester – „hier in Kalifornien kommen manchmal ungeheure Veränderungen vor und dies in einer fabelhaften kurzen Zeit. Das ganze Land ist eine Lotterie“. 10 Jahre später war er ein gemachter Mann, der sich in finanzieller Hinsicht nicht mehr zu beklagen brauchte.


Kalifornien hielt ihn fest, und bald gehörte er zu denjenigen, die die wirtschaftliche Erschliessung und Entwicklung dieses reichen Goldlandes massgebend mitbestimmten. Er war es, der die über 1500 Meter tiefe Argonaut-Goldmine in Jackson/Amador County, eine der tiefsten Goldminen der Erde, erschloss und zu stärkster Produktivität entwickelte. Auch verhalf er vielen anderen Bergbauprojekten für die Gold-, Quecksilber- und Ölgewinnung im Lande zum Erfolg. Auch war die Mayflower Gold Mine in Placerville in seinem Besitze.
Bei seiner mehr als 30-jährigen Tätigkeit als Mitglied des Direktoriums der American-Trust-Company, der führenden Bank von San Francisco, verhalf er zahlreichen wirtschaftlichen Unternehmungen im amerikanischen Westen sich zu entfalten und sich zu etablieren.


Er galt als einer der grossen Pioniere Kaliforniens, denen das Land viel zu danken hat. Er lebte zunächst in Jackson im Amador County. Nach dem Verkauf der Argonaut-Goldmine im Jahre 1912 siedelte er von dort nach San Francisco über, wo er im Pacific Union Club auf dem Nob Hill wohnte. Über seine Persönlichkeit berichtete sein Grossneffe, der Rechtsanwalt Gunther R. Detert, über seinen Grossonkel W.F. Detert folgendermassen „Er war eine ausgesprochene Führernatur, hatte viel Sinn für Humor und besass einen scharfen, durchdringenden Verstand. Trotz seiner Liebenswürdigkeit dem weiblichen Geschlecht gegenüber blieb er sein Leben lang Junggeselle. Er unterstützte die schönen Künste und das gesellige Leben, aber er verabscheute die Politik“.

Seine besondere Liebe galt seinen beiden Landsitzen, der Guenoc-Ranch im Lake County und der Detert-Ranch im Amador/El Dorado County, zwei über 9000 Hektaren grosse Farmen. Auf beiden Farmen wurde Ackerbau und Viehzucht mit jeweils zwischen 1000 und 1500 Rindern betrieben.  Auch dort überliess er nichts dem Zufall. So liess er zum Beispiel auf der Detert-Ranch zur Bewässerung des Landes und für genug Wasser für seine Rinder einen 75 Hektaren grossen Stausee anlegen, den „Detert-See“. Beide Landsitze galten als Musterfarmen.


Erst als seine Geschwister ihm im Jahre 1879 den Tod der Stiefmutter mitteilten, schrieb er wieder nach Deutschland. Seitdem nahm er regen Anteil an dem Leben seiner Geschwister und deren Familien. Besonders interessierte ihn die Ausbildung seiner Neffen. Als einer von ihnen ihn im Jahre 1902 um Geldmittel zur Fortsetzung seines Studiums bat, erklärte er sich sofort „mit Vergnügen bereit“, ihn zu unterstützen und übersandte umgehend einen Scheck über 1000 Mark. Er bemerkte dazu in seinem Schreiben: „Dieses Versprechen (auf geldliche Unterstützung) bezieht sich auf alle die anderen Kinder meiner Brüder und Schwestern, im Fall dieselben finanziell nicht im Stande sind, für eine höhere Erziehung zu sorgen“. An anderer Stelle betonte dieser reiche Amerikaner seinem Bruder gegenüber: „Nachrichten über Deine lieben Kinder interessieren mich immer sehr. Hoffentlich werden sie alle eine gute Erziehung bekommen, welche ohne Zweifel einem kleinen Vermögen vorzuziehen ist, ob in Deutschland oder Amerika“. Er unterstützte auch weitgehend das spätere Fortkommen seiner Neffen und Nichten, indem er ihnen half, eine gesicherte Existenz aufzubauen bzw. diese zu festigen. Häufig klingt in seinen Briefen der Wunsch an, die alte Heimat einmal wiederzusehen. Aber immer wieder musste er betonen, dass eine Deutschlandreise und ein Besuch seiner lippischen Heimat unmöglich wäre, weil dringende Geschäfte seine ständige Anwesenheit in den Vereinigten Staaten unbedingt erforderlich machten.

 

Gedenkstein in Jackson
Gedenkstein in Jackson

Die grösste Überraschung erlebten seine deutschen Verwandten, als W.F. Detert am 13.12.1929 in San Francisco starb und sein Testament eröffnet wurde. Zwar bestimmte er darin, dass bedeutende Summen für wohltätige Zwecke, für die Stanford-Universität und für die Stadt Jackson, wo er so erfolgreich gewirkt hatte, verwandt wurden, den grössten Teil seines Vermögens aber vermachte er zu gleichen Teilen seiner einzigen Halbschwester und seinen 13 Neffen und Nichten in Deutschland. Allerdings war in dem Testament festgesetzt, dass aus der Erbmasse zunächst ein Trust gebildet werden sollte, der 10 Jahre lang zu bestehen hätte. Erst nach dieser Zeit sollte die Auszahlung der Erbanteile erfolgen. Der II. Weltkrieg verhinderte dieses. Nur sein in San Francisco lebender Neffe, eine in der Schweiz verheiratete Nichte und eine in Österreich ansässige Grossnichte gelangten nach dem Kriege in den Besitz des ihnen zustehenden vollständigen Erbes, während sich die übrigen mit geringen Entschädigungen begnügen mussten.  Abschrift aus: „Heimatland Lippe“, 1973 Nr.3 Seite 88-91 abgeschrieben von: Wolfgang Bechtel/ Andreas Putzi.

 


Wilhelm Ferdinand Deterts Neffe, Richard Detert, erreichte im Alter von 26 Jahren von Deutschland her ausgewandert, Kalifornien. Unverzüglich stieg er bei seinem Onkel in dessen Geschäftsaktivitäten ein. Richard war der stellvertretende Geschäftsführer des ganzen W.F. Detert Imperiums.  Die Geschäfte wurden von San Francisco aus geleitet. So kam es, dass Richard und seine Frau Hedwig, die später von dessen Enkelkinder liebevoll «Mutti» genannt wurde, auch hin und wieder die Guenoc Ranch besuchen mussten um zu schauen, ob alles zum Besten stehen würde. Der schnellste Weg zur Guenoc Ranch führt durch das Napa Valley und so kam es, dass sich die jungen Deterts in dieses Tal verliebten.


Im Jahre 1929 verstarb W.F. Detert im Alter von 79 Jahren. Richard und Hedwig wurde nebst Anderem auch die Guenoc Farm testamentarisch zugesprochen.  Die beiden bewirtschafteten die grosse Farm weiter. Ihr Sohn Gunter erlernte den Beruf eines Rechtsanwaltes mit Sitz in San Francisco.


Nach dem Tode von Richard Detert im Jahre 1951 verkaufte seine Witwe Hedwig die Guenoc Ranch und erwarb sich als Landsitz über 20 Hektaren Rebland, zuhinterst und an allerbester Lage gelegen im To Kalon Rebberg. Der Grundstein für die Detert Winery war gelegt. Die Trauben jedoch verkaufte «Mutti» Hedwig an die Charles Krug Winery. Ihr Sohn, der Rechtsanwalt Gunter Detert, der das Weingut oder besser gesagt den Rebberg und das Haus weiter pflegte und verwaltete, verkaufte die Trauben ab Herbst 1966 an die Robert Mondavi Winery.


Erst im Jahre 2000 war Tom, der Enkel von Gunter Detert oder der Urenkel von Richard oder der Urur Enkel vom Pionier W.F. Detert mit seine Önologiestudium fertig und in der Lage, die ersten Detert Weine aus dem seit 50 Jahren im Familienbesitz befindenden absoluten Top Weinberg in Oakville zu keltern. Leider ist natürlich immer noch ein grosser Anteil der 20 Hektaren an die Robert Mondavi Winery mittels langatmigem Abnahme-Vertrag gebunden. Es bessert sich aber zusehends.


Schade, darf Tom auf seinen Detert Weinen nicht seinen Rebberg vermerken. Moralisch zustehen würde es ihm vollends. Rechtlich haben aber Mondavi und die Beckstoffers den Namen «To Kalon Vineyard» schützen lassen, wohlgemerkt nur die Parzellen, die den zwei Schlaumeiern innerhalb dieses Rebberges auch gehören. Shit happens!
Der Einzige, der genug grosse «Eier» hat, dies im Sinne des Weines offen zu proklamieren und auch so niederzuschreiben und der Richtigkeit Gewicht zu geben ist Antonio Galoni, der begnadete Weindegustator und Weinjournalist. Unübersehbar steht da auf der Rebbergkarte von Oakville «Detert To Kalon»! Das gleiche gilt auch für Toms Nachbarweinberg, das Estate seiner Cousins Alex und Graeme MacDonald «MacDonald To Kalon».


In jedem der einstigen grossen Mondavi Weinen, wurden Trauben aus dem Detert oder dem MacDonald Rebberg verwendet. Ohne dieses erlesene Traubengut hätten die Weine wohl ein paar PS weniger gehabt. Freuen wir uns auf die Zukunft dieser zwei Weingüter, die gerade jetzt begonnen hat. Die Quintessenz aus dem To Kalon Vineyard in Oakville!