Beckstoffer Vineyards

 

Soll ich oder soll ich nicht? Und wenn ja, soll ich wirklich so schreiben wie ich die «Causa Beckstoffer» sehe? Eins ist versprochen es wird lang...

Fact ist aber, dass das Beckstoffer Unternehmen mit ihren über 100 Mitarbeitern insgesamt beinahe 1500 ha Rebberge besitzt.

Über 400 ha davon im Napa Valley, dann ungefähr 550 ha in den Red Hills im Lake County und dazu stehen noch etwa 550 ha Beckstoffer Reben im Mendecino County im Ertrag.

 

Geboren in Richmond, Virginia, kam Andy 1966 zu Heublein** (untenstehend, nachdem ich Andy Beckstoffer etwas in Frage gestellt habe, dann eine American Dream Geschichte, die Geschichte der Heubleins) Andy Beckstoffer spielte eine entscheidende Rolle bei der Beratung des Unternehmens beim Einstieg in das Super-Premium-Weinsegment der kalifornischen Weinindustrie, einschliesslich des Kaufs von Beaulieu Vineyards und der United Vintners Company den Eigentümern der Inglenook- und der Italian Swiss Colony-Weine.

 

1970, als Andy Beckstoffer mit Familie nach Kalifornien umzog, gründete Andy die Vinifera Development Corporation für Heublein und leitete als deren Präsident alle Aspekte des Weinanbaus. Andy Beckstoffer wurde mit dem Weinbau sehr vertraut und war natürlich durch seinen Job bei Heublein bestens informiert. 

Als Heublein veräussert wurde, kaufte Andy Beckstoffer einzelne kleinere Rebberge seinem noch Arbeitgeber ab, oder zumindest übernahm er deren Pachtverträge. Fortlaufend investierte Andy Beckstoffer in Rebberge, indem er diese nach und nach käuflich übernahm.

 

Der grosse Clou gelang ihm aber 1993, als er für nicht einmal 4 Millionen $ der durch die erneute Reblausplage etwas darbenden Beaulieu Vineyard ganze 33 ha To Kalon Vineyard Rebland abluchsen konnte! Das macht einen m2 Preis von 12 $.!!

Es war legitim, doch auf irgendeine Art auch etwas störend...

 

Das schlimmste für mich dabei aber ist, dass sich diese Typen dann feiern lassen, als ob sie das Rad erfunden hätten – und noch schlimmer, die ganze Meute applaudiert! 

Bei wohl fast allen unseren Reisen in unser geliebtes Kalifornien sehen wir Andy Beckstoffer. Nicht dass wir das wollten, wir kennen uns ja auch nicht. Wir sehen dabei aber, welches Bier er trinkt. Das Farmstet Restaurant in St. Helena hat auch einen Aussenbereich mit einer Bar. Dort sind wir öfters auf unseren Reisen anzutreffen. Es ist ein Hot Spot der Napa Valley Weinwelt. Wir sitzen da, Beatrice geniesst ein Glas vom feinsten Schramsberg und ihre Bodyguards Gion und Andreas machen sich über das Bier von «Mad Fritz» her! Noch nie gehört «Made Fritz»? In Eichenfässern ausgebautes artisaneles Bier von genialer Qualität, jede Abfüllung ist anders. Andere prozentuale Mischungen, länger im Fass und kühler oder wärmer vergoren etc. Unglaublich das Ganze, Mad Fritz ist aber Programm! Gebraut werden diese genialen Biere übrigens von Nile Zacherle, dem Weinmacher der David Arthur Winery auf dem Pritchard Hill. Nile ist aber auch Schwiegersohn von Juelle und Fred Fisher von der Fisher Winery. Die Putzi Männer geniessen also «Mad Fritz» in Varianten... (es gibt nur Halbliterflaschen).

Andy Beckstoffer kommt also an die Bar und bestellt sich ein Bier, genau das Bier, das die ganze Welt schon kennt! Gion skandierte «disqualifiziert bei der Bestellung»! 

 

Andy Beckstoffer hat, vor allem im Napa Valley, einige der prestigeträchtigsten Weinberge in seinem Eigentum. Die Weine, die aus den Beckstoffer Rebbergen entstehen sind meines Erachtens meistens sehr konzentriert, opulent und irgendwie eindimensional voluminös. Ganz nach dem Gusto von Robert Parker, der einmal in einer seiner Publikationen ungefiltert schrieb, dass, wenn man Beckstoffer Trauben verarbeite, sich alles ins positive Wenden würde, dass man sogar alles dabei zu Gold machen könnte! Das war natürlich Wasser auf die Mühle von Andy Beckstoffer und manch einer der neu als «Winzer» ins Tal gekommen war, wusste jetzt zumindest, mit welchen Trauben er punkten konnte. Da wurde irgendwo eine Villa hingeknallt, einen angesagten Weinmacher angeheuert, der dann in einer Winery, die ihre bewilligte Produktionsmenge nicht ausgeschöpft hatte, Weine kreierte! Klar wurde dabei viel auf die Beckstoffer Trauben zurückgegriffen, man wollte ja Punkte ergattern, das dann meistens auch gelang! Dabei gingen die Punkte im Gleichschritt mit den Preisen. 

Durch all diese Umstände schaffte es Herr Beckstoffer ins Wein Nirwana. Es war ganz klar, dass die Weine aus einem Beckstoffer Vineyard genug Punkte bekommen. Frei nach meinem Freund Wolfram Meister: «Die Weinwelt war noch nie demokratisch».

Was aber Andy Beckstoffer zusätzlich auszeichnet ist seine Unverfrorenheit der Traubenpreise! Ein uns nicht minder unsympathischer Zeitgenosse offenbarte uns 2017 einmal, dass für eine Tonne To Kalon Trauben, Jahrgang 2016 72 Tausend $ bezahlt wurden. Ich glaube dies! Zu viele Unbedarfte sind im Napa Valley anwesend, diese dazu noch mit genügend Geld, das ist natürlich ganz im Sinne von Andy Beckstoffer! Hier wird ihnen geholfen!! Auch gibt er verbindliche Preisempfehlungen für eine Flasche Wein an seine Traubenkäufer ab. Tendenz steigend... wie lange noch??

Klar ist natürlich, dass die «Winzer», die sich diese Trauben kauften, um daraus ihren meist unrentablen «Flagship» Wein kelterten, nicht plötzlich eine Kehrtwendung einläuten können. Sie müssen wohl oder übel bei diesem Treiben weiterhin mitmachen. Mitgegangen - mitgefangen! 

Wie die Flasche dann beschriftet wird, ist ebenfalls ein Teil seiner Traubenpreise. 

Wenn jetzt auf einem Etikett nur «Beckstoffer Vineyard» steht, kostet dies etwas weniger als wenn auch der Name des Rebberges dabei vermerkt wird.

Das ganze Getue hat leider auch zur Folge, dass die Traubenpreise kontinuierlich steigen, da andere Grape Growers genau so gute, wenn nicht teilweise sogar bessere Rebberge bewirtschaften. Das Bild, wie Andy Beckstoffer in etwa beliebt ist oder nicht, können Sie sich selbst ausmalen!

 

Sie denken, das ist schon Alles? Das Beste zum Schluss. Wir sind wieder einmal im To Kalon Vineyard, der den Weingütern Opus One, Mondavi und eben Andy Beckstoffer gehört. So ganz richtig ist dies aber nicht. Die Universität UC Davies bewirtschaftet hier auch noch eine Parzelle und führt hier Feldversuche durch. Um diese geht es aber nicht. Zuhinterst an bester Lage, dort wo sich der Talboden in Richtung der Mayacamas Mountains erhebt, stehen die 2 einzigartigen Rebberge der Detert und der MacDonald Familien. Dies auf dem Boden der seinerzeit auch als To Kalon Rebberg eingetragen war und der bereits in den 60er Jahren des vorletzten Jahrhunderts von Henry Crab angelegt wurde. Der oberschlaue Andy Beckstoffer und der wohl noch schlauere Robert Mondavi haben aber vor ca. 25 Jahren den Namen To Kalon erneut schützen lassen - und zwar als Marke und nicht etwa als ein klar umrissenes Rebberg Gebiet. Die Deterts und auch die MacDonalds durften in der Folge den Namen To Kalon Vineyard nicht mehr verwenden. Obwohl die beiden Weingüter an der besten Lage des gesamten und einst als Historical To Kalon Vineyard eingetragen, anzutreffen sind! Auch sind die beiden Familien auch schon viel länger an dieser Stelle im To Kalon Rebberg tätig als etwa Beckstoffer oder Mondavi!

Die bekanntesten Rebberge von Andy Beckstoffer im NapaValley sind: Der Dr. Crain Vineyard in St. Helena, der Georges III Vineyard in Rutherford, der Las Piedras Vineyard in St. Helena, der Missouri-Hopper Vineyard und ein Teil des To Kalon Vineyard, beide in Oakville.

Zu den Kunden von Andy Beckstoffer gehören die Weingüter oder «Wein Brands» Alejandro Bulgeroni, Alpha Omega, Amici, Anthem, AOWines, Arrow&Branch, AXR, B Cellars, Bacio Divino, Bounty Hunter, Carter, Cliff Lede, Fait-Main, Mondavi, Quivet, Realm, Paul Hobbs, Provenance, Schrader, Tor Kenward, Vice Versa etc. etc.

 

 

**Heublein begann als Restaurant, das 1862 in Hartford, Connecticut, von Andrew Heublein, einem deutsch-amerikanischen Unternehmer, gegründet wurde. Seine beiden Söhne, Gilbert F. und Louis, stiegen bald in das Geschäft ein. Im Jahr 1875 nahmen sie einen Grossauftrag für vorgemischte Martini- und Manhattan-Cocktails für das jährliche Picknick der Governor's Foot Guard an. Der Regen zwang zur Absage der Veranstaltung. Als ein Angestellter des Restaurants, den die Brüder angewiesen hatten, die abgesagten Cocktails einige Tage später zu entsorgen, feststellte, dass sie die Lagerung im Regal gut überstanden hatten, begannen sie, die vorgemixten Cocktails im Restaurant zu verkaufen. Die fertigen Cocktails waren so beliebt, dass Heublein eine Destillerie baute, um die Nachfrage zu befriedigen. Als sich das Geschäft von Andrew Heublein 1890 stärker auf die lukrative Produktlinie der Fertigcocktails konzentrierte, übertrug er das Unternehmen auf seine beiden Söhne und es wurde fortan zur Firma Gilbert F. Heublein and Bro. 1906 erwarb das Unternehmen die Rechte für den Vertrieb (und später die Produktion) von A1 Steak Sauce für den US-Markt. Als das Unternehmen am 2. Dezember 1915 im Bundesstaat Connecticut eingetragen wurde, hatte Heublein bereits Niederlassungen in New York und Hartford. 

1938 erwarb Heublein alle Rechte an Smirnoff Vodka, einer Marke, die bereits vor der Oktoberrevolution in Russland hergestellt worden war. Heublein wird zugeschrieben, den Wodka in den Vereinigten Staaten populär gemacht zu haben, indem es Smirnoff als "White Whiskey" mit dem Satz "leaves you breathless" vermarktete, der möglicherweise auf den Irrglauben zurückgeht, dass Wodka im Atem kein Alkoholaroma verrät. Smirnoff wurde zu einer der erfolgreichsten Marken von Heublein. Heublein erwarb auch die Vertriebsrechte in den Vereinigten Staaten für viele andere internationale Spirituosen, Weine und Biere, darunter Irish Mist Likör, Harvey's Bristol Cream, Don Q Rum, Jose Cuervo, Black & White, Bell's Whisky, Guinness Stout und Bass Ale. Heublein besass auch die amerikanischen Import- und Vertriebsrechte für nichtalkoholische Getränke wie etwa das Perrier Mineralwasser.

Heubleins Sortiment an vorgemischten alkoholischen Cocktails umfasste traditionelle Getränke wie Manhattans, Martinis, Stingers, Sidecars und Daiquiris sowie Trendgetränke wie Brass Monkey, Pink Squirrel und Hobo's Wife. 

Heublein tätigte auch zahlreiche Übernahmen ausserhalb des Spirituosenmarktes, darunter Grey Poupon im Jahr 1936, Kentucky Fried Chicken 1971 und Hart's Bakeries 1972. 1969 erwarb Heublein für 100 Millionen Dollar eine Mehrheitsbeteiligung an den United Vintners, dem damaligen Eigentümer von Inglenook. Im selben Jahr kaufte Heublein auch die Beaulieu Vineyards für 8,5 Millionen Dollar. Durch diese Übernahmen wurde Heublein zu einem der grössten Weinproduzenten in den Vereinigten Staaten.

Heublein war ein Big Player und zählte damals zu den einflussreichen börsenkotierten Unternehmungen. 

Im Jahr 1982 wurde die Heublein Inc. and die R. J. Reynolds Tobacco Company für 1,4 Milliarden Dollar verkauft. Auch wurden sukzessive andere Vermögenswerte, die Heublein gehörten, aber wohl nicht in die Firma integriert waren, veräussert, darunter auch die vielen Rebberge.