Die politische Geburtsstunde

       Die Politische Geburtsstunde Kaliforniens ist sehr eng mit der mexikanischen Herrschaft verknüpft. 

Als sich mit der Wahl von James Polk zum US-Präsidenten ab 1845 wegen Texas ein Krieg zwischen den USA und Mexiko abzeichnete, vertrieben die Kalifornier ihren gegenüber der mexikanischen Zentralregierung zu loyalen Gouverneur. Neuer Gouverneur wurde Pío de Jesús Pico (der schon einmal 1832 kurzzeitig Gouverneur gewesen war), neuer Generalkommandant José Castro (der schon 1836/37 Generalkommandant gewesen war). Beide versuchten, zwischen den USA und Mexiko zu lavieren und den Krieg für eine Selbständigkeit Kaliforniens zu nutzen.

 

Pico und Castro hatten jedoch unterschiedliche Auffassungen davon, welchen Weg Kalifornien fortan beschreiten sollte. Während Pico die Hauptstadt in das südlicher gelegene Los Angeles verlegte und dort Anfang März 1846 eine Asamblea Departamental einberief, rief Castro Ende März 1846 in der bisherigen Hauptstadt Monterey eine Junta Departamental ein, zu der auch die Oberschicht der Region und die Grossgrundbesitzer gehörten. Man wollte die militärischen Masnahmen gegen eine im Norden drohende US-amerikanische Invasion vorbereiten. Beide baten die mexikanische Zentralregierung um Anerkennung. Doch Präsident Herrera, der Pico als Gouverneur bestätigt hatte, war inzwischen durch General Paredes gestürzt worden. Während Castro Paredes um Truppenverstärkungen bat, befürchtete Pico, mexikanische Truppen würden die Selbständigkeit Kaliforniens bedrohen und hohe Unterhaltskosten verursachen. Die Junta in Monterey sprach sich daher im Mai 1846 für die baldige Unabhängigkeit Kaliforniens aus und begann darüber zu beraten, ob sich Kalifornien dann unter das Protektorat einer europäischen Grossmacht stellen oder sich den USA anschliessen sollte.

 

Wie Pío de Jesús Pico, der der Versammlung in Monterey selbst ja nicht angehörte, hoffte zunächst auch die Mehrheit der Delegierten in Monterey auf einen Schutz durch die britische Flotte. Grossbritannien erwog zunächst offenbar, Mexiko als Ausgleich für mexikanisch-kalifornische Schulden (15 Mio. Pfund) Kalifornien einfach abkaufen zu können.

 

Grossbritannien grenzte über das Oregon-Gebiet bereits direkt an Kalifornien und unterhielt vor der nordamerikanischen Atlantikküste eine stärkere Flotte als die USA, zeigte jedoch keinerlei Neigungen, wegen Kalifornien in einen Konflikt mit den USA hineingezogen zu werden. Stattdessen vereinbarten Grossbritanien und die USA im Juni 1846 den Oregon-Kompromiss, durch den das Oregon-Gebiet zwischen beiden Staaten aufgeteilt wurde und sich Grossbritannien von der kalifornischen Grenze zurückzog.

 

José Antonio Castro hatte wiederholt Sympathien für ein französisches Protektorat über Kalifornien zu erkennen gegeben. Wie Mexiko bzw. Kalifornien war auch Frankreich katholisch und Teil der "lateinischen Rasse". Es hatte schon einmal (1838) Krieg gegen Mexiko geführt und war ab 1842 als mögliche Schutzmacht für Johann Sutters kalifornisches Neu-Helvetien im Gespräch gewesen. Zahlreiche Franzosen und Franco-Kanadier hatten sich bereits in Kalifornien niedergelassen. Doch auch Frankreich hatte ein grösseres Interesse an guten Beziehungen zu den USA als an einem Engagement in Kalifornien.

 

Beeinflusst vom US-amerikanischen Konsul Thomas Larkin sprach sich der kalifornische General Mariano Guadalupe Vallejo (ehemaliger Generalkommandant 1841–1842 in Diensten Mexikos) vor den Delegierten leidenschaftlich für einen Anschluss an die USA aus. Larkin dachte dabei zunächst an eine gemeinsame Unabhängigkeit der Kalifornier sowie der US-Siedler, ein Anschluss an die USA sollte erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. So lange wollten einige der US-amerikanischen Siedler jedoch nicht warten und revoltierten gegen die Zentralisationspolitik des mexikanischen Staatschefs Antonio López de Santa Anna. 

 

Der US-amerikanische Entdecker und Politiker John Charles Frémont organisierte einen Aufstand unter den anglo-amerikanischen Siedlern rund um Sonoma. Auch die hispanischen Kalifornier erhoben sich gegen Mexiko, doch noch während ihre Junta von Monterey zwischen Unabhängigkeit und Anschluss an die USA schwankte, riefen 33 US-amerikanische Siedler am 14. Juni 1846 die Republik Kalifornien aus. Ihre kalifornische Flagge wurde erstmals auf dem Sonoma Plaza in Sonoma gehisst. Die Flagge zeigte einen Stern und einen Bären als Symbole der neuen Republik. Von der sogenannten Bear Flag Revolt wurden selbst Vallejo und Larkin überrascht.

 

Von den Aufständischen unbemerkt, wurde der Mexikanisch-Amerikanische Krieg am 13. Mai 1846 begonnen. Die Nachricht erreichte die Republik jedoch erst Anfang Juli, als die Fregatte USS Savannah und die beiden Sloops USS Cyane und USS Levant der United States Navy auf Befehl aus Washington Monterey eroberten. Nach der Schlacht um Monterey gab John Charles Frémont seine Idee einer eigenen Republik auf; die Bear-Flag wurde durch die Flagge der Vereinigten Staaten ersetzt.

 

Doch noch während die Kalifornier darüber berieten, welchem Staat der Vorzug zu geben sei, schufen die US-Amerikaner vollendete Tatsachen und proklamierten ihre eigene Republik Kalifornien.

 

Nach dem Krieg wurde die Region zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten aufgeteilt. Der mexikanische Teil, Baja (unteres) California, wurde später in die Bundesstaaten Baja California und Baja California Sur geteilt. Der westliche Teil des US-amerikanischen Staatsteils, Alta (oberes) California, sollte der Bundesstaat Kalifornien werden.

 

1848 betrug die spanischsprechende Bevölkerung im entfernten Alta California etwa 4'000. Aber nachdem bei Sutters Mill Gold entdeckt wurde, explodierte die Bevölkerung durch den Zustrom von Amerikanern, Europäern und anderen Immigranten im grossen kalifornischen Goldrausch. Am 9. September 1850 wurde Kalifornien der Union der Vereinigten Staaten als 31. freier Bundesstaat angeschlossen; einer, in dem Sklaverei verboten wurde. Die erste Hauptstadt wurde San Jose. Diese stellte sich jedoch im Winter 1850-51 als aussergewöhnlich feucht heraus und mit folglich schlammigen Strassen. So wurde 1852 Vallejo, eine Landspende des Senators Mariano Guadalupe Vallejo, neue Hauptstadt. Es folgte 1853 für kurze Zeit Benicia, nur 3 Meilen von Valleyo entfernt, und schliesslich wurde ab 1854 Sacramento die Hauptstadt Kaliforniens.